Wecker

  • Frühe einzeigrige Dosenuhr mit aufgesetztem Wecker um 1540. Trommelförmige Uhr (Gehäuse) mit 24 Std.-Zifferblatt, süddeutsch.
  • Tischuhr mit Wecker und gekoppeltem Steinschloß zum Entzünden einer Kerze, die sich dann automatisch aufrichtet. Punziert „RG 1646“ (deutsche Kaiserkrone), vermutlich Süddeutschland.
  • Trivox, vergrößertes Werksmodell, der Wecker von Junghans mit drei verschiedenen Lautstärken, 1956.
  • Frühe Wecker, teilweise vor 1900.
  • Verschiedene Glockenwecker
  • Wecker nach 1950

Aufgeweckte Zeitgenossen - 100 Jahre Wecker Entwicklung

Der Prototyp dieser Spezies lebt seit Jahrtausenden auf dem Mist und frisst Körner.

”Ehe der Hahn dreimal kräht, wirst Du mich dreimal verleugnet haben” sprach Jesus zu Petrus und diese religiöse Botschaft des Evangeliums repräsentiert ein beständig aufrecht erhaltenes Gleichmaß der Lebensführung, denn noch stand man auf dem Lande mit den Hühnern auf und beendete sein Tagwerk bei Einbruch der Dämmerung.

Für lange Zeit war er der einzige Künder des Morgenrotes, bis die zu geregelten Bet- und Arbeitszeiten rufenden Glocken von Klöstern oder Kirchen sein Kikeriki übertönten.

So war es auch für die römischen Soldaten einfacher, den Hahn als lebendige Weckuhr bei  ihren Nachtwachen zu verwenden, als mühsam die Kenntnis der Sternenbewegungen zu studieren, die bei bedecktem Nachthimmel sowieso nicht auszumachen waren.

Um Mitternacht, damals die 6. Nachtstunde, krähte er zum ersten Mal, nicht sehr oft, mit einem lang gezogenen Ton. Das zweite Mal wesentlich häufiger und ausdauernder vor Tagesanbruch in der Stunde der letzten Nachtwache etwa um 4 Uhr. 
Solange keine allzu große Genauigkeit erforderlich war, ließ sich mit dieser Weckuhr auskommen.

So führten auch viel später im 15. Jh. die Burgunder unter Phillip dem Guten bei der Belagerung von Calais, ebenso auch manche Seefahrer viele Hähne mit sich. Der Hahn war den Göttern geweiht als wunderbares Wesen, dem Mars sein Krähen als Weissagung für den Kampf, der Minerva als Symbol der Wachsamkeit, dem Sonnengott Apoll, dem Äskulap u. a.

Später kam der Nachtwächter. Für ein kleines Zubrot klopfte er an Türen und Fensterläden, um jenen Teil der arbeitenden Bevölkerung pünktlich zu wecken, der noch vor dem ersten Morgenläuten zur Arbeit musste, wie Fuhrleute, Glöckner oder Bäcker.

Zu Beginn der Industrialisierung lebten in Handwerksbetrieben und Bauernhöfen meist noch alle Werktätigen unter einem Dach. 

Da genügte oft eine zentrale Hausuhr mit einer oder mehrerer Weckeinrichtungen.

Als Wohnungen und Arbeitsstätten auseinandergelegt wurden, gab es kaum Möglichkeiten sich für’s Verschlafen herauszureden, denn Nachbarschaftshilfen und Weckdienste, die Schlafende sogar wachrüttelten, organisierten den geregelten Frühdienst.

Erst in der 2. Hälfte des 19. Jh.s. ermöglichten rationelle Fertigungsmethoden sinkende Uhrenpreise, und bald Anfang des 20. Jh.s. konnte sich fast jeder Haushalt einen eigenen transportablen Wecker leisten, der unerbittlich das Reich der Träume vom Arbeitstag trennte.

Der Einfallsreichtum, den Uhrmacher anwenden, um ihre Mitmenschen aus dem Schlaf zu reißen, kann fast schon als gehässig bezeichnet werden.

In jeder Lautstärke wird gebimmelt, gerasselt, geklingelt, und geläutet.

Alle Arten von Glocken finden Verwendung, bei manchen dient der Wecker als Resonanzkörper.

Mit dem „Sturmwecker“ rühmte sich die Villinger Uhrenfabrik C. Werner im Jahre 1902 den„lautesten Wecker der Welt“ geschaffen zu haben.

Aber irgendeiner verpennt trotzdem immer, während sensible Naturen durch das lästige Tick-Tackern des Weckers gar nicht erst einschlafen.

Der seit den dreißiger Jahren erfundene geräuschlose Weckergang löste zumindest dieses Problem.

Andere Uhrenfabrikanten setzten auf melodische Tonfolgen, für die Junghans ab 1908 sogar auswechselbare Walzen lieferte.

Allerhand Brauchbares und Skurriles ist seit diesen Tagen noch erfunden worden, wie beispielsweise Weckautomaten, die nicht nur läuten, sondern auch den Frühstückstrunk zum Kochen bringen. Oder die vielen phantasievollen Ausführungen – im Design und Weckton – der 80er, 90er des 20. Jh.s. (Diese Ausstellung kann aus Platzgründen nicht gezeigt werden).

Der neueste Schrei übertrifft alles Bisherige. Ein in schützendes Fell verkleideter Wecker springt vom Tisch und rollt sich auf dem Boden, wenn der Weg frei ist, unaufhörlich weckend, 3 bis 5 Meter vom Schlafenden hinweg.

Ob telefonischer Weckdienst, Quarz- oder Radiowecker, digital oder analog, aufstehen muss man leider, leider noch immer.

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