16. bis 19. Jahrhundert

Die chronologische Präsentation zeigt die Objekte in ihren Epochen mit beschreibenden und analysierenden Texten in Verbindung mit historischer Fachliteratur.

Als man für die Kriegsführung bei dem eisernen Kanonenbau enorme Fortschritte erzielte, als man in der Lage war eiserne Ritterrüstungen aus 200 beweglichen Einzelteilen zu fertigen, wurde es auch möglich, besondere Fertigkeiten in der Bearbeitung von Eisen und anderen Metallen für Uhren verbessernd zu entwickeln. Und mit der Gestaltung von optischen Linsengläsern und der Erkenntnis aus „zügelbarer“ Federkraft ging auch die Entwicklung von tragbaren und immer kleineren Zeitmessern einher.

Begegnen Sie dem Geist der Zeit, von der Gotik in den der Renaissance, die als die Stilrichtung der Neuzeit mit ihren Entdeckungen und Erfindungen die kirchliche und feudale Ordnung des Mittelalters veränderte.

Das heliozentrische (Sonne als Mittelpunkt) löste das ptolemäische Weltbild (Erde als Mittelpunkt) ab.

Nikolaus Kopernikus, Peter Henlein, Galilei und andere den Zeitgeist prägende Persönlichkeiten begleiten die Entwicklung der Zeitmessung beginnend mit den ersten tragbaren, mechanischen Uhren.

Hals- und Dosenuhren, handgeschmiedete Eisen-Wanduhren, prunkvoll verzierte Türmchen- und Kruzifixuhren, Schmuckobjekte – original im Stil der Gotik, die heute als hochmodern gelten könnten, und vieles andere
repräsentieren den Glanz von Fürsten und Patriziern, die sich anschickten, den Klerus als Mäzen für Kunst und Wissenschaft in vielen Bereichen abzulösen.

Der Manierismus begeistert mit charakterisierenden Maskendarstellungen und Bandornamentik und fügt sich zwischen 1520 – 1590 stilgeschichtlich nach der Spätrenaissance, als ein Vorbereiter zum Barock.

Widersprüchliche Geschehnisse prägen das 17. Jh. mit den Glaubenskämpfen, (30 jähriger Krieg) und den Gegenreformationen. Das Repräsentanzbedürfnis der Kirche, der Machtanspruch des Adels wachsen und Auftragsarbeiten daraus führen auch zu herrlichen Kunstwerken des Barock.

Barocke Kunst ist optimistisch, lebensbejahend und religiös dominiert. Stilistisch wandten sich die Künstler gegen gewollte Künstlichkeit, gegen die unnatürliche Künstelei (maniera) des 16. Jh.s. und orientierten sich an klassischen Idealen, wie man sie bei den Meistern der Hoch-Renaissance fand.

Spannungsgeladene Formen mit starker Betonung des Sensuellen zentrieren außerordentliche Geschehnisse und Persönlichkeiten.

Die Zeitbelege und die Zeitmesser machen – wie immer, so auch hier – den wandelnden Zeitgeist „spürbar“, und führen etwa ab 1730 hin zu der Stilgeschichte des Rokoko.

Hier entflieht die Größe und Pathos des Barock, in dem die Kunst – als Idee des Souveräns – erscheinen sollte, ins Zierliche, Leichte, dem Gefälligen, dem Schönen aus sich selbst. Rokoko – eine Zeit der Eitelkeiten.

Leitmotiv ist die Rocaille (Muschelwerk), ein Ornament, das auf ein asymmetrisches, manieristisches Rollwerk sowie auf barockes, italienisches Muschelwerk zurückgeht.

Sujets sind Szenen aus dem alten Testament, sowie unbeschwert präsentierte Begebenheiten. Eine Vielfalt von Uhren und preziösen Belegen zeichnen symptomatisch die Zeitzeichen, an denen die bedeutendsten Uhrmacher maßgeblich mitwirkten bis in die Napoleonische Ära.

An der Stirnseite des Raumes unterbrechen wir
mit einer kleinen Sonderausstellung zeitgemäßer Großuhren -  
für einen kurzen Moment die Chronologie der geschichtlichen Darstellung.

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